Der Georgsberg – unser Schulberg

In sorgfältiger wissenschaftlicher Recherche durchforstete Dr. Walter Scheichl, ehemaliger Lehrer an unserer Schule, die Ergebnisse der archäologischen Forschung und die vorhandenen schriftlichen Quellen und verfasste für unsere „Festschrift 1966“ eine bis heute weitgehend gültige Geschichte des Georgsberges. Die folgenden Ausführungen stützen sich im Wesentlichen auf seine Arbeit.
Keramikreste weisen auf eine bronzezeitliche Siedlung hin; Gräberfunde am Fuße des Georgsberges und nördlich davon belegen das Bestehen einer Siedlung auf dem Schwemmkegel des Kotbaches, die sich schon in der Hallstattzeit und in der La-Tene-Zeit bis zum Georgsberg hinzog. Allerdings stand in urgeschichtlicher Zeit die Talsiedlung (Hallein) eindeutig im Schatten der Bergsiedlung (Dürrnberg).
Wenig bekannt ist über das „römische Hallein“. In den Kriegswirren des ausgehenden 2. Jahrhunderts n. Chr. geriet der Salzabbau am Dürrnberg in Vergessenheit, was auch den Niedergang der Talsiedlung bewirkte. Um 480 n. Chr. wurde die romanische Bevölkerung nach Süden abgezogen. Allerdings dürften etliche Romanen zurückgeblieben sein, wie etwa im Raum Gamp (Gamp = lat. campus: Feld).
Die älteste Urkunde, die sich 1198 auf eine hochmittelalterliche Siedlung im Halleiner Raum bezieht, erwähnt den Ort „Muelpach“. Die Lage dieser Ortschaft ist am heutigen Edmund-Molnarplatz zu suchen.
Manches spricht dafür, dass auf der markanten Erhebung außerhalb des Siedlungsraumes eine romanische Kapelle stand, die dem hl. Georg geweiht war, auf den ja der Bergname zurückzuführen ist. Das Dorf „Muelpach“ erhielt neben seiner Pfarrkirche eine zweite im gotischen Stil erbaute Kirche auf dem Georgsberg. Im 17. Jahrhundert verliert diese gotische Kirche jegliche Bedeutung und wird 1622 als halb zerfallen beschrieben.
1682 wird die Kuppe des Berges als Bauplatz für ein Kloster der Augustiner-Eremiten vorgesehen, gestiftet von Erzbischof Max Gandolph von Khuenburg u. a. mit der Verpflichtung, die Seelsorger für den Dürrnberg zu stellen. Das Klostergebäude wurde in den Jahren 1683 und 1684 errichtet. Im Jahre 1700 wurde mit dem Bau einer Kirche im Barockstil begonnen, die - eindrucksvoll über der Stadt thronend -  allerdings erst um 1775 fertiggestellt wurde. Der in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts ausgeschmückte Innenraum galt als einer der schönsten Rokoko-Räume im ganzen Bezirk. Über rund 200 Marmorstufen – die zwei unteren Treppenabsätze sind noch erhalten - gelangte man zur Klosteranlage.
In den napoleonischen Wirren geriet das Halleiner Augustinerkloster in ärgste Bedrängnis; 1806 wurden die Ordensgeistlichen ins Müllner Augustinerkloster gebracht, und seit 1811 wurden die Klosterräume als Gerichtskanzleien genützt. 1896 zog auch die Bezirkshauptmannschaft ein. Bereits 1835 hatte das Benediktinerstift Michaelbeuern das Kloster Mülln samt dem Besitzstand des Halleiner Klosters übernommen.
Am 22. März 1943 ging vom ehemaligen Kloster am Georgsberg eine Brandkatastrophe aus, die sich wegen eines Föhnsturms rasend schnell ausbreitete und auf andere Teile der Stadt übergriff. Ein unersetzlicher Verlust war der Feuerschaden in der Barockkirche.
Bis auf einen notdürftig instand gesetzten Gebäudeteil, wo das Bezirksgericht einquartiert war, war mehr als fünfzehn Jahre nach dem Brand auf dem Georgsberg nur mehr eine traurige Ruine zu sehen. 1958 übersiedelte das Bezirksgericht in sein neues Amtsgebäude in Burgfried – der Georgsberg bot Platz für neue Gestaltungspläne!

Wolfgang Wintersteller